Glutamin und Darmflora

Brasilianische Wissenschaftler untersuchten, ob eine orale Glutamineinnahme bei übergewichtigen oder adipösen Erwachsenen die Zusammensetzung der Darmflora verändern kann. Die 33 Studienteilnehmer im Alter zwischen 23 und 59 Jahren erhielten über einen Zeitraum von 14 Tagen entweder 30 Gramm Alanin oder 30 Gramm Glutamin. Die Darmflora wurde in beiden Gruppen untersucht. Bei den Teilnehmern der Glutamingruppe zeigte sich nach 14 Tagen eine statistisch signifikante Veränderung der Darmbakterienzusammensetzung. Das Verhältnis der „Firmicutes to Bacteroidetes“, ein guter Biomarker für Adipositas, verminderte sich deutlich in der Glutamingruppe, während es in der Alaningruppe zu einem Anstieg kam. Es wurde auch eine statistisch signifikante Verminderung verschiedener Bakterienstämme der Firmicutes-Gruppe nachgewiesen.

Referenz:
de Souza AZ, Zambom AZ et al.: Oral supplementation with L-glutamine alters gut microbiota of obese and overweight adults: A pilot study; Nutrition. 2015 Jun;31(6):884-9.


Weltweit leidet eine halbe Milliarde Menschen an Fettleibigkeit

Übergewicht ist zu einem globalen Problem geworden. Beleibte Menschen gibt es heute nicht nur in den reichen Industriestaaten; mittlerweile sind auch Menschen in armen Ländern betroffen. Die Zahl der übergewichtigen Personen hat sich seit 1980 so gut wie verdoppelt.

In der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet wurden nun Daten einer Langzeitstudie über den Trend des globalen Body-Mass-Index (BMI) veröffentlicht. Ausgewertet wurden Untersuchungen an 9,1 Millionen Teilnehmern aus 199 Ländern und Regionen.

Ab einem BMI von 25 spricht man von Übergewicht; Adipositas beginnt bei einem BMI von 30. Im Jahr 2008 hatten laut Studie schätzungsweise 1,46 Milliarden Erwachsene weltweit einen BMI gleich oder höher als 25; von diesen Personen waren geschätzte 297 Millionen Frauen und 205 Millionen Männer fettleibig.

Von den Ländern mit hohem Einkommen hatten die USA die höchsten BMI-Werte. Aber auch in Ländern mit geringerem Einkommen sind viele Menschen zu dick, so z.B. in einigen Ländern Ozeaniens. Dort wurden die höchsten BMI-Durchschnittswerte nachgewiesen. Die niedrigsten  Durchschnittswerte hatte Japan zu verzeichnen. Der durchschnittliche BMI der Gesamtbevölkerung liegt bei Frauen bei 23,8 und bei Männern bei 24,1. Deutschland kann mit diesem Schnitt nicht mithalten. Dieser liegt bei deutschen Frauen durchschnittlich bei 25,7 und bei den Männern bei 27,2.

Die Sprecherin der Weltgesundheitsorganisation Gretchen Stevens meint dass die Veränderung der Ernährung und der körperlichen Aktivitäten zur weltweiten Ausbreitung der Fettleibigkeit beigetragen hat.

Referenzen:
The Lancet, Volume 377, Issue 9765, Pages 557-567, 12.02.2011
Zeit-online.de, Eine halbe Milliarde Menschen ist übergewichtig, 04.02.2011


Verzweigtkettige Aminosäuren und Insulinresistenz

Eine Insulinresistenz bessert sich durch Gewichtsreduktion, aber das Ausmaß der Veränderung ist sehr unterschiedlich. Wissenschaftler der Duke University untersuchten deshalb, welche Metabolite einen Therapieerfolg hinsichtlich Verbesserung der Insulinresistenz voraussagen können. Dabei erwiesen sich die Konzentrationen der verzweigtkettigen Aminosäuren als bester Marker für die Voraussage einer Verbesserung der Insulinresistenz, und das unabhängig vom Gewichtsverlust. Mit Hilfe der verzweigtkettigen Aminosäuren könnten also die Personen herausgefunden werden, die mit großer Wahrscheinlichkeit von einem moderaten Gewichtsverlust profitieren könnten.

Referenz:
Shah SH et al.: Branched–chain amino acid levels are associated with improvement in insulin resistance with weight loss. Diabetologia Februar 2012


Eisenstoffwechsel und Übergewicht

Seit einigen Jahren weiß man, dass der Eisenstoffwechsel durch das Hormon Hepcidin  reguliert wird. Hepcidin wird auch vom Fettgewebe gebildet und freigesetzt. Bei schwerem Übergewicht ist die Konzentration von Hepcidin deutlich erhöht.

Ägyptische Wissenschaftler untersuchten, welchen Einfluss Übergewicht auf die Parameter des  Eisenstatus hatte. An der Studie nahmen 35 übergewichtige und 35 normalgewichtige Kinder mit einer Eisenanämie teil, sowie 30 gesunde Versuchspersonen. Die Hepcidinkonzentration war, im Vergleich zur Kontrollgruppe, bei normalgewichtigen Kindern mit Anämie signifikant niedriger. Bei den übergewichtigen Kindern mit Anämie war die Konzentration signifikant höher. Eine Eisentherapie führte bei den übergewichtigen Kindern zu keinen signifikanten Veränderungen der Hepcidinspiegel.

Das wichtigste Ergebnis dieser Studie war, dass Übergewicht offensichtlich die Hepcidinspiegel erhöht und dass diese Erhöhung mit einem verminderten Ansprechen auf die orale Eisentherapie bei Kindern verbunden ist. Übergewicht bei Kindern erschwert also die Behandlung einer Eisenmangelanämie.

Referenz:
Sanad M et al.: Obesity modulate serum hepcidin and treatment outcome of iron deficiency anemia in children: a case control study. Ital J Pediatr. 19.07.2011


Mikronährstoffe und Entzündungsmarker

Wissenschaftler aus Mexiko untersuchten den Mikronährstoffstatus und Entzündungsmarker bei 280 übergewichtigen Frauen in ländlichen Gebieten in Mexiko. Es wurden die Konzentrationen der Zytokine Il-1, Il-6, Il-10 und Interleukin 12 bestimmt. Außerdem TNF-Alpha, das Lipidprofil sowie die Mikronährstoffe Zink, Vitamin A, C und E. 80 Prozent der Frauen waren übergewichtig oder adipös und hatten signifikant höhere CRP-Konzentrationen als die normalgewichtigen Frauen. Die Studienteilnehmerinnen mit hohen Zinkkonzentrationen hatten ein deutlich geringeres Risiko für hohe Konzentrationen der Entzündungsmarker. Höhere Vitamin-A-Konzentrationen verminderten leicht das Risiko für hohe Konzentrationen von Il-1 und Il-12. Vitamin C und Vitamin E hatten keinen Einfluss auf die Entzündungsmarker.

Das Ergebnis der Studie: Höhere Zinkkonzentrationen wirken bei Frauen mit Übergewicht oder Adipositas offensichtlich antientzündlich.

Referenz:
Zavala G. et al.: Specific micronutrient concentrations are associated with inflammatory cytokines in a rural population of Mexican women with a high prevalence of obesity. Br J Nutr. 2012 May 29:1-9.


Aufnahme von Antioxidantien und metabolisches Syndrom

Forscher aus China untersuchten die Assoziation zwischen der Antioxidantienaufnahme und dem metabolischen Syndrom. Die Vitamin-C-Aufnahme über die Nahrung war negativ mit dem Auftreten eines metabolischen Syndroms assoziiert. Eine höhere Selenaufnahme hatte einen moderaten Effekt gegen das Auftreten eines metabolischen Syndroms. Die Aufnahme von Carotinoiden und Vitamin E hatte auf das metabolische Syndrom keinen Einfluss.

Referenz:
Jie Wei,1 Chao Zeng et al.: Associations between Dietary Antioxidant Intake and Metabolic Syndrome. PLoS One. 2015; 10(6): e0130876. Published online 2015 Jun 22.


Mikronährstoffmangel bei Übergewicht

Mikronährstoffmängel kommen bei übergewichtigen Menschen häufiger vor als bei Normalgewichtigen. Möglicherweise sind die Ernährungsgewohnheiten schlechter, oder übergewichtige Personen haben einen höheren Mikronährstoffbedarf. US-Wissenschaftler untersuchten die Mikronährstoffaufnahme bei Übergewichtigen und verglichen sie mit einer Referenzpopulation und mit den (DRI)Empfehlungen. DRI ist die Abkürzung für Dietary Referenc Intakes, das sind US-amerikanische Zufuhrempfehlungen für die Allgemeinbevölkerung.

Die übergewichtigen Studienteilnehmer wiesen niedrigere Konzentrationen von 25-OHD, Vitamin C, Selen und Eisen auf. Bei einem Teil der übergewichtigen Studienteilnehmer wurde über einen Zeitraum von 3 Monaten eine proteinreiche Formula-Diät durchgeführt. Nach diesen drei Monaten hatten sogar noch mehr Studienteilnehmer verminderte Konzentrationen von Vitamin C, Zink und Glykopen. Es bestand eine signifikante negative Korrelation zwischen den fettlöslichen Vitaminen und dem Körperfettanteil.

Das Ergebnis der Studie zeigt, dass Mikronährstoffmängel bei Übergewichtigen durch eine Formula-Diät nicht korrigiert werden, sondern sich sogar eher noch verschlimmern.

Referenz:
Damms-Machado A. et al.: Micronutrient deficiency in obese subjects undergoing low calorie diet. Nutr J. 2012 Jun 1; 11(1):34


Vitamine und Übergewicht bei Kindern

In einer US-amerikanischen Studie wurde anhand von NHANES Daten untersucht, ob es bei Kindern einen möglichen Zusammenhang zwischen der Aufnahme von B-Vitaminen und dem Body-Mass-Index (BMI) gibt.

Die Vitamin-B12- und Folsäurekonzentrationen im Serum waren invers mit dem BMI verbunden. Höhere Vitamin-B12-Konzentrationen waren mit einem verminderten Risiko für Übergewicht assoziiert. Die Vitamin-B1- und Vitamin-B2-Aufnahme zeigte ebenso einen inversen Zusammenhang zum BMI. Die erwähnten B-Vitamine B12, Folsäure, Vitamin B1 und Vitamin B2 dürften also bei der Entstehung von kindlichem Übergewicht eine Rolle spielen.

Referenz:
Gunanti IR et al.: Low serum vitamin B-12 and folate concentrations and low thiamin and riboflavin intakes are inversely associated with greater adiposity in mexican american children.  J Nutr. 2014 Dec;144(12):2027-33.


Glutamin hilft beim Abnehmen

Es ist bekannt, dass Glutamin die Insulinsensitivität bei schwer kranken Patienten verbessert. Italienische Wissenschaftler untersuchten in einer Pilotstudie, ob eine Glutaminsupplementierung auch eine Gewichtsabnahme fördert. Die Studie wurde an sechs übergewichtigen und adipösen Patientinnen durchgeführt. Die Probandinnen erhielten entweder vier Wochen lang zusätzlich Glutamin oder ein Proteinsupplement. Das Körpergewicht und der Taillenumfang verringerten sich nach der Glutaminsupplementierung signifikant, auch die Insulinämie und der HOMA-IR nahmen nach Glutamineinnahme 20 Prozent ab. Diese Pilotstudie zeigte, dass Glutamin nebenwirkungsfrei ist und eine Gewichtsabnahme effektiv unterstützt und möglicherweise auch den Glukosestoffwechsel verbessert.

Referenz:
Laviano A et al.: Glutamine supplementation favors weight loss in nondieting obese female patients. A pilot study; Eur J Clin Nutr. 2014 Sep 17. doi: 10.1038/ejcn.2014.184


Taurin und Adipositas

Taurin ist eine schwefelhaltige Aminosäure mit einem breiten Spektrum an Funktionen. Taurin kann auch Stoffwechselerkrankungen wie Hyperlipidämie, Diabetes und Bluthochdruck verbessern. Die 24-Stunden-Ausscheidung von Taurin ist ein Marker für die Taurinaufnahme mit der Nahrung und war invers mit dem Body-Mass-Index, dem Blutdruck und dem Cholesterin beim Menschen assoziiert. Das Stoffwechselprodukt Taurin-Chloramin kann den oxidativen Stress und die Entzündungsaktivität in Adipozyten  unterdrücken. Die Aktivität und Konzentration von Taurin im Fettgewebe und im Plasma ist während der Entwicklung eines Adipositas rückläufig, so dass ein Zusammenhang zwischen Taurinmangel und Adipositas anzunehmen ist.

Referenz:
Murakami S: The role of taurine in the pathogenesis of obesity; Mol Nutr Food Res. 2015 Mar 19. doi: 10.1002/mnfr.201500067.